15.11.2011
Unfallversicherung: Vorsicht vor schlechten Policen
Von den rund 28 Millionen Unfallpolicen in Deutschland bieten viele vermutlich nur lückenhaften Schutz. Finanztest hat deshalb mehrere hundert Tarifangebote für private Unfallversicherungen geprüft. Ergebnis: Nur drei Mal gab es das Qualitätsurteil sehr gut.
Handwerker zahlen für ihren Versicherungsschutz mehr.
Da am Markt tausende von Tarifvarianten kursieren, hat Finanztest nach eigenen Angaben bereits im Vorfeld stark gesiebt. Um in den Test aufgenommen zu werden, mussten die Angebote unter anderem bei Vollinvalidität mindestens 500.000 Euro leisten. Davon lässt sich ein Haus umbauen, eine Haushaltshilfe bezahlen und vieles mehr. Die Versicherer bieten ständig neue Variationen ihrer Unfallversicherungstarife an.
Frauen müssen künftig höhere Beiträge zahlen
Männer in ungefährlichen Berufen zahlen für sehr gute Angebote zwischen 236 und 333 Euro im Jahr, Frauen zwischen 221 und 306 Euro. Männer in gefährlicheren Berufen, vor allem mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit, müssen für die sehr guten Tarife im Test zwischen 363 und 515 Euro im Jahr auf den Tisch legen. Frauen zahlen bei einigen Versicherern deutlich weniger als Männer. Das könnte sich ab Ende 2012 ändern. Dann müssen die Versicherer Unisextarife anbieten, die voraussichtlich für Frauen teurer werden. Für sie könnte es also sinnvoll sein, noch zu den aktuellen Konditionen einen Vertrag abzuschließen, rät Finanztest.
Mehr Geld bei schwerer Invalidität
Je nach Schwere der dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigung erhält der Versicherte einen unterschiedlich hohen Geldbetrag. Ein guter Vertrag zeichnet sich dadurch aus, dass der Kunde nicht nur bei 100 Prozent Invalidität eine hohe Summe erhält. Auch bei niedrigeren Invaliditätsgraden muss die Leistung stimmen. Aus den Angeboten im Test erhalten Versicherte zum Beispiel bei 50 Prozent Invalidität mindestens 100.000 Euro. Finanztest empfiehlt außerdem Tarife mit „Progression“, bei denen der Versicherte bei 100 Prozent Invalidität ein Vielfaches der vereinbarten Versicherungsgrundsumme erhält. Aus einem P 500-Tarif mit einer Versicherungssumme von 100 000 Euro gibt es dann beispielsweise 500 000 Euro.
Faire Bedingungen helfen im Ernstfall
Wichtig für den Kunden ist zudem eine faire Chance, im Ernstfall überhaupt an die vereinbarten Leistungen zu kommen. Ob und in welcher Höhe er diese bekommt, hängt vor allem von der Verbraucherfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen ab. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist die Gliedertaxe. Sie bestimmt, welchen Grad der Invalidität ein Unfallversicherer beispielsweise nach dem Verlust einer Hand anerkennt. Davon hängt die Höhe der Leistung ab. Manche Versicherer bieten Tarife mit unterschiedlichen Gliedertaxen an. Sie erkennen dann statt der üblichen 55 Prozent für den Verlust einer Hand bis zu 100 Prozent Invalidität an. Der Kunde bekommt dann mehr Geld, unter Umständen so viel wie bei Vollinvalidität.
Beim Abschluss die Wahrheit sagen
Ist jemand bereits schwerbehindert oder pflegebedürftig, kann er keine Unfallversicherung mehr abschließen. Kleinere Vorerkrankungen sind normalerweise aber kein Problem. Es kann jedoch passieren, dass ein Versicherer einen Kunden ablehnt, zum Beispiel weil dieser bereits einen Bandscheibenvorfall hatte. Doch es hat keinen Sinn, so etwas zu verschweigen. Lässt jemand bei den Fragen nach dem Gesundheitszustand oder nach Verletzungen und Erkrankungen in der Vergangenheit etwas weg, kann der Versicherer später unter Umständen vom Vertrag zurücktreten, warnt Finanztest.. Dann gebe es im Falle einer Invalidität kein Geld, und die bis dahin gezahlten Beiträge sind auch weg.
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